HISTORISCHES
Gründung
Dieser Satz wird zwar Altbundestrainer Sepp Herberger zugeschrieben, hatte aber sicherlich schon im Gründungsjahr 1928 Gültigkeit. Nach Jahren „wildem Gekicke“ zwischen Kuhfladen auf abgeweideten Wiesen wurde im Sommer 1928 manches anders. Fußballbegeisterte Neuravensburger wollten endlich in einem organisierten Verein spielen und gründeten den FC Neuravensburg, der fünf Jahre später zum Sportverein Neuravensburg umbenannt wurde.
Gründungsmitglieder
- Arnold Boch
- Friedrich Bernhard
- Franz Boeckeler
- Raimund Keller
- Anton Kling
- Martin Krismer
- Franz Lehle
- Alfons Poschenrieder
- Ludwig Poschenrieder
- Wilhelm Riedesser
- Fidel Rief
- Anton Schmid
- Jakob Schmid
- Josef Steinacher
- Alois Wilhelm
Chronik
Bereits vor der Gründung des Sportvereins Neuravensburg wurden 1920 in Roggenzell und Schwarzenbach Radfahrvereine gegründet und seit 1925 fanden sich begeisterte Fußballspieler, die auf abgemähten Wiesen kickten. Auch im Wintersport gab es Skiwettbewerbe, bei denen die „Kellerbuben“ Raimund, Benedikt und Fritz in vorderster Reihe standen.
Aufstieg der 1. Mannschaft Badminton in die Württembergliga
Dr. Hermann Schad übernimmt das Amt des 1. Vorsitzenden von Horst Büssenschütt. Aufstieg der 1. Mannschaft Badminton in die Verbandsliga Südwürttemberg
Zweitägiges Sportfest mit Besuch von 80 Personen, davon ca. 40 Jugendliche aus Poleo
Einweihung des 2. Rasenspielfeldes
75-jähriges Jubiläum des SVN, dazu Feier der 20jährigen Partnerschaft in Poleo, 1. Spatenstich am 24. Juni für den Bau des zweiten Rasenspielfeldes
Aufstieg der Fußballer in die Bezirksliga
Gründung der Kindersportgruppen unter Albert Maier
Horst Büssenschütt wird 1. Vorsitzender, Klaus Hänsler Stellvertreter, Norbert Kaiser Hauptkassier, Oskar Hasel gründet den Lauftreff
Aufstieg der 1. Mannschaft Badminton in die Landesliga
Gründung der Partnerschaft mit Poleo, Aufstieg der 1. Mannschaft Tischtennis in die Bezirksliga
Gründung der Tanzsportabteilung, Tischtennis stellt 9 aktive Mannschaften
Gründung der Badmintonabteilung
Gründung einer Theaterabteilung innerhalb des SVN. Aufstieg der Fußballer in die Bezirksliga
Die Fußballer gewinnen den Bezirkspokal unter Trainer Hohnhausen. B-Jugend wird Bezirksmeister
Einweihung der Turn- und Festhalle Neuravensburg. Gründung von Gymnastik- und Freizeitsportgruppen. Gründung der Tischtennisabteilung unter Gerd Marschner.
Gründung der „Renngemeinschaft Neuravensburg“ als Zusammenfassung aktiver Skisportler aus Neuravensburg und Umgebung, die beachtliche Erfolge feiern konnte. 1972/73 Teilnahme an der Deutschen Schülermeisterschaft.
Sportplatzeinweihung zum 40jährigen Vereinsjubiläum mit 100-Meter-Bahn und Umkleideräumen.
Der SVN richtete als erster Verein in Württemberg einen Volksmarsch aus, der bis 1976 jährlich wiederholt wurde.
Ausbau der Wintersportabteilung unter Norbert Berlinger mit Starts bei Kreis-, Bezirks- und Landesmeisterschaften und guten Platzierungen.
Die Fußballmannschaft wurde Meister der Kreisklasse Allgäu-Süd
Die Skiwettbewerbe in der alpinen und nordischen Disziplin an Scheuerles Halde und an der Dametsweiler Halde waren gut besucht und weckten das Interesse am Skifahren.
Als erster von der französischen Militärregierung in Südwürttemberg genehmigter Verein wurde der Sportverein Neuravensburg am 28.09.1946 unter Vorstand Fidel Rief wiedergegründet. Die bisherigen Abteilungen Fußball, Leichtathletik und Wintersport wurden wieder aufgebaut. Jede einzelne Fahrt zu Auswärtsspielen musste von der Militärregierung genehmigt werden.
Das Spielfeld auf der von der Gemeinde zur Verfügung gestellten Argenwiese wurde auf die jetzige Lage gedreht. Mehr als 2000 freiwillige Arbeitsstunden wurden geleistet, dabei wurden rund 300 m³ Kies und Auffüllmaterial herbeigeschafft.
Mit dem Beginn des 2. Weltkriegs kam der Sportbetrieb zum Erliegen.
Die Fußballer bekamen ihren ersten Platz. Gastwirt Roth vom „Weißen Kreuz“ stellte eine Streuwiese zur Verfügung, die in 1500 Arbeitsstunden bespielbar gemacht wurde. Dort wurde bis zum Beginn des 2. Weltkriegs gespielt.
Im 3. Reich wurde die „DJK“ aufgelöst und in Sportverein Neuravensburg umbenannt. In der Folgezeit spielte die Wehrertüchtigung im Sport eine wichtige Rolle. Vorstand wurde Franz Lehle. Es gab die Abteilungen Fußball, Leichtathletik und Wintersport.
Eine Eishockeymannschaft entstand, gespielt wurde auf dem Neuravensburger Weiher.
Umbenennung in „DJK Neuravensburg“ mit Anschluss an die „Deutsche Jugendkraft“ des Katholischen Reichsbundes. Jetzt konnten die Fußballer an regulären Verbandsspielen teilnehmen. Die Hin- und Rückfahrt per Fahrrad bestimmte den Aktionsradius. Die Bäckerei Fakler und Stefan Mennel stellten ihre LKW zum Transport der Kicker zur Verfügung.
Vereinsgründung: die erste Generalversammlung fand im Gasthaus „Weißes Kreuz“ statt und der FC Neuravensburg wurde gegründet. Ludwig Poschenrieder wurde 1. Vorstand, Franz Lehle Kassier.
Fußball
Erst ab 1946 stand ein eigenes, wenn auch nur 42 x 72 m kleines Spielfeld zur Verfügung. In rund 2000 Arbeitsstunden wurde mit ca. 300 m³ Kies aus der nassen Argenwiese ein schönes Spielfeld hergerichtet.
Vorstand Fidel Rief war es zu verdanken, dass der SV Neuravensburg als erster Verein von der französischen Militärregierung genehmigt wurde und so fand nach siebenjähriger Zwangspause am 30. Mai 1946 gegen den FC Wangen II das erste Spiel nach dem Krieg statt.
Bereits 1949 pflegte man Kontakte zu Fußballern aus Talwil (Schweiz), in der Verbandsrunde gelang schon 1950/51 die erste Meisterschaft und im Jahre 1958 begann Bruno Bosio mit dem Aufbau von Jugendmannschaften. Den zweiten Meistertitel holte sich der SVN 1961 und stieg in die damalige B-Klasse auf.
Mit dem neuen Argensportplatz zum 40jährigen Vereinsjubiläum im Jahr 1969 bekam der Fußball schließlich den nötigen Schwung für die vielen Erfolge in den drei vergangenen Jahrzehnten mit zahlreichen Meisterschaften bei den Aktiven und der Jugend.
Wintersport
Anfang der 30er Jahre standen im Winter noch Schlittschuhlaufen – Fritz Keller wurde 1933 Ober-schwäbischer Sprunglaufmeister – und Eishockey im Vordergrund. So fand 1930 angeblich das erste Eishockeyspiel in Oberschwaben auf dem Neuravensburger Weiher zwischen dem EC Wangen und dem SV Neuravensburg statt. Die Spieler trugen weder Helme noch sonstige Schutzkleidung, dafür aber ein feines Hemd und Krawatte.
Nach dem Krieg begann die Ära des alpinen Skilaufens. Schon 1954 wurden auf Scheuerles Halde Vereinsschülermeisterschaften ausgetragen, damals noch auf echten Holzlatten mit Riemenbindung. Und bereits 1963 gab es in Neuravensburg neben den Alpinen Winterspielen – so hießen die damaligen Vereinsmeisterschaften – auch einen Nordischen Skitag mit den Einzelwettkämpfen Langlauf und Skisprung:
Der Langlauf startete an der Käserei und führte am Weiher vorbei zurück zu Roths Halde, Schanzenspringen, mit Weiten bis über 20 m, war an Scheuerles Halde Richtung Kanal. Und 1970 führten ein paar Neuravensburger Buben und heutige Skilehrer bereits eine Torlauf-Wettkampfserie in Neuravensburg auf folgenden Buckelpisten durch: Roths Halde, Scheuerles Halde, Burghang mit Schanze Richtung Sportplatz, Hang Detzel bei der Eiche und die berüchtigte Waldabfahrt am Kirchstraßenhang mit fast 400 Metern durch Waldwege und eng stehende Fichtenbäume. Fast immer gab es an der Burgschanze oder bei der Waldabfahrt spektakuläre Stürze, zu Schaden kamen aber meist allenfalls nagelneue Sohler-Ski „Bluebird“.
Ab den 60er Jahren nahmen Neuravensburger „Skilehrer“ an Lehrgängen, sogenannten „Wedelkursen“ teil, die neben dem Skifahren auch sonst so viel Spaß machten, dass manche der Teilnehmer heute noch davon schwärmen: „Beim ersten Mal waren wir zu dritt, der Heiler Dieter, der Magino Franz und ich,“ erzählt Elmar Knill, „von Jahr zu Jahr sind es dann mehr geworden und wir hatten jedesmal riesigen Spaß.“ Den gab es für ganze 160 DM pro Woche, Lifte und Halbpension inklusive.
Die 70er waren die Zeit der Renngemeinschaft Neuravensburg, sogar mit Teilnehmern bei den Deutschen Alpinen Schülermeisterschaften. Norbert Berlinger und später Hans Lanz haben die Abteilung geleitet, Günter Schlierenzauer war der Trainer. Trainiert und gefahren wurde vor allem im Allgäu und das nicht nur im Winter. Für die ambitionierten Neuravensburger Rennläufer gab es damals schon Sommertraining auf dem Gletscher am Stilfser Joch.
Leichtathletik
Auch wenn im Gründungsjahr 1928 allein die Fußballer aktiv wurden, so blieben sie nicht lang allein. Bereits in den dreißiger Jahren gab es regelmäßig sportliche Aktivitäten im Winter und auch Leichtathletik gewann an Bedeutung. Die 50er und 60er Jahre standen dann ganz im Zeichen der Leichtathletik. Max Mennel und sein Team machten Neuravensburg mit sportlichen Leistungen bei Meisterschaften weit über seine Grenzen hinaus bekannt.
Dass der heute 89-jährige Max Mennel ein Schlitzohr war, daran erinnert sich Helga Knill noch heute:
„1950 hat Max mich als 14-jährige mit zu den Württembergisch-Hohenzollerischen Waldlaufmeisterschaften genommen. Nach abenteuerlicher Fahrt mit seinem Holzvergaser-LKW – wenn es steil bergauf ging, mussten wir aussteigen und zu Fuß gehen – haben Max Mennel und Fritz Keller mich bis zum Rennbeginn „unter Verschluss“ gehalten, denn eigentlich hätte ich als Jugendliche gar nicht mitlaufen dürfen. Im selbst gestrickten weißen Wollpullover habe ich den Lauf gewonnen und Max freute sich riesig über den Titel.“
In 26 Jahren errangen die Leichtathleten des SVN neben zahlreichen Siegen bei nationalen und internationalen Sportfesten nicht weniger als 29 (!) württembergische Meisterschaften und durch Elvira Chrzanovsky über 1500 m eine deutsche Juniorenmeisterschaft.
Einer der erfolgreichsten Läufer des SVN war Ehrenmitglied Hubert Briegel als Mittelstreckler und Mitglied der 15 km Staffelmannschaft. „Wir haben sogar Stadtvereine aus Stuttgart oder Karlsruhe geschlagen, nur die Friedrichshäfler – die hatten die besten Schwimmer – waren noch einen Tick besser. Zu den Rennen sind wir oft mit dem Fahrrad gefahren, morgens hin, dann gelaufen und abends wieder zurück.“ Ein separates Aufwärmen und Auslaufen war da wohl nicht mehr nötig.